Pathologie und Psychologie beim Stockholm – Syndrom

Beziehungsstabilität zum Täter und Verführer vs. Zum Lehrer und Prüfer:
Das Stockholm-Syndrom beschreibt eine Beziehung, in welcher der eine den anderen missbraucht. Er wird oft konfrontiert und frustriert. Das führt dazu, dass eine Person immer wieder erniedrigt wird, während ihr Gegenüber eine Machtposition einnimmt. Es ist aber auch denkbar, dass es eine auf Beziehungsstabilität beruhende Verbindung gibt, die konfrontiert und frustriert, die aber konstruktiv ist. Im Folgenden möchte ich einmal das Stockholm-Syndrom erklären, wie auch eine fördernde Beziehung.

Täter und Verführer:
Wenn man diese Beziehung analysiert, fällt einem sofort auf: Der Täter ist in einer erniedrigenden Machtposition. Seine Persönlichkeit ist immer überhoben und er handelt weit über seine eigenen, gesunden Kapazitäten hinaus, er lebt in einer erfundenen Scheinwelt. Solche Menschen sind pervers und psychopathisch und brauchen Opfer, an denen sie ihre gehobene Position demonstrieren können. Ansonsten gehen sie an sich selber zu Grunde.

Sie greifen andere, feinschwingende und empathische Menschen psychisch an, bringen sie aus dem Gleichgewicht und manipulieren sie. Somit zwingt der Täter das Opfer in ein perverses Umfeld, wo es immer mehr missbraucht wird und aus Angst nicht mehr weiss, was es tun soll, ausser zu gehorchen, was dazu führt, dass der Täter sich in seiner pseudo – Machtposition bestätigt fühlt.

Die Beziehung zwischen Täter und Opfer besteht aus der drohenden und erdrückenden Haltung des Täters, der durch diese Angstmacherei die Kontrolle behält. Er hat sein Opfer soweit manipuliert, dass es die Wahrheit nicht mehr erkennt. Es sieht den Verführer sogar immer wieder als Führungsperson oder gar Heiliger, der „nachsichtiger“ und „liebevoller“ mit ihm umgeht, wenn es ihm gehorcht. Das Opfer versucht gar nicht mehr, sich zu widersetzen, denn dafür würde es ja wieder schrecklich bestraft werden. So funktioniert eine pathologische und missbrauchende Beziehung, die wir in allen möglichen Ausführungen beobachten können, ob in der Familie oder auf der Arbeit.

Lehrer und Prüfer:
Ein Lehrer oder Prüfer hat ganz andere Absichten als ein psychisch Gestörter. Er versorgt seinen Schüler mit Informationen und testet das errungene Wissen in Prüfungen. Ein guter Lehrer versucht, sich in seinen Schüler hineinzuversetzen und zu verstehen, was dieser lernen muss. Ein Psychopath wäre zu dieser Tat gar nicht in der Lage.

Der gravierende Unterschied zu der oben beschriebenen Beziehung liegt darin, dass der Schüler aus eigener Entscheidung etwas vom Lehrer lernt und ihn als Autoritätsperson anerkennt, ein Opfer hat gar nicht die Wahl zu dieser Entscheidung. In einer gesunden Lehrer – Schüler – Beziehung strebt der Lehrer danach, den Schüler sich mit sich selbst vertraut zu machen und ihm die wesentlichen Dinge unverbindlich zu erklären. Der Schüler vertraut einem solchen Lehrer und respektiert sein Urteil. Die Machtposition des Lehrers entsteht also von selbst, da der Schüler weiss, dass sein Lehrer erfahrener ist als er und ihm dieses Wissen beibringen wird.

Wenn der Schüler sich aus dieser Hierarchie entfremdet und sich über seinen Lehrer erhebt, dann wird das Konsequenzen haben, die auch Bestrafungen sein können. Daraus lernt der Schüler aber seine Lektion und wird nicht unterdrückt, sondern er wächst daran.